Geschichte

Vom Viehhof zur Residenz

In der Nähe des Hackeschen Marktes stand seit Ende des 16. Jahrhunderts ein Viehhof mit Garten und Lusthaus. Kurfürstin Eleonore, zweite Gemahlin des Kurfürsten Joachim Friedrich, war die Herrin dieses Hofes und ließ ihn 1604 ausbauen. Bereits drei Jahre darauf starb Eleonore. Der Hof gelangte nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder in den Besitz einer Landesherrin. Im Jahr 1649 überließ Kurfürst Friedrich Wilhelm seiner zweiten Gemahlin Dorothea Sophie das Vorwerk. Auf Befehl des Kurfürsten erfolgte eine Instandsetzung des Lusthauses im Jahr 1669. Durch Grundstückserweiterungen um 1670 vergrößerte sich das Gelände und es entstand eine Meierei.

Als der Kurfürst Friedrich Wilhelm starb, musste Dorothea den Hof an ihren Stiefsohn Kurfürst Friedrich III. abtreten. Der Pracht liebende Friedrich, der spätere erste König in Preußen, baute das Lusthaus zu einer Residenz aus und schenkte es seiner Frau Sophie Charlotte. Diese zeigte jedoch wenig Interesse an dem Schloss und hielt sich lieber ab 1699 in Schloss Lietzenburg auf, dem heutigen Schloss Charlottenburg. Bereits um 1691 verkleinerte sich das Gelände durch Veräußerungen.

Sophie Charlotte starb im Jahre 1705 und damit wechselte der Besitz 1706 zu Reichsgraf Kasimir Kolbe von Wartenberg. Dieser war Premierminister und Günstling von König Friedrich I. in Preußen. Wartenberg bekam unter anderem diesen neuen Besitz als Entlohnung für seine Dienste am Kaiserhof in Wien. Schließlich war er für den Erwerb der Königswürde für Kurfürst Friedrich III. verantwortlich. In dieser Zeit tritt für das Lusthaus das erste Mal die Bezeichnung „Monbijou“ auf. Wartenberg ließ seine Besitztümer erweitern und baute das Schloss mithilfe großzügiger Geschenke des Königs aus. Laut Berichten gab es etwa seit 1710 eine Menagerie mit einheimischen Tieren im Garten.

Das Schloss bestand zur Zeit Wartenbergs aus einem eingeschossigen siebenachsigen Kernbau, der von einer Laterne bekrönt war. Die Fassade war durch reiche Malereien verziert. Zu dem Kernbau standen zwei symmetrisch angeordnete Pavillons. Direkt an der Spree befanden sich zwei Angelhäuser. Zwischen diesen Bauten hatte man Laubengänge angelegt. Der Garten bestand aus mehreren reich bepflanzten Beeten und Terrassen. Der einfache Grundriss ohne die Aneinanderreihung von Räumen mit Galerien war ein Novum im damaligen Berlin. Schloss Monbijou gilt daher als erste bekannte suburbane Villa in dieser Gegend. Durch einen Steuerschwindel fiel Wartenberg beim Kronprinzen Friedrich Wilhelm in Ungnade und verließ 1711 den Berliner Hof in Richtung Schweiz. Dies tat der Freundschaft zum König keinen Abbruch und er „schenkte“ ihm sein Schloss Monbijou. König Friedrich I. nahm dieses Präsent nur widerwillig an und gab Wartenberg zwei Karossen mit Gespannen als eine Art Ausgleich.

Das Schloss Monbijou war wieder in königlichem Besitz. In den Jahren zwischen 1710 und 1730 fertigte der Hofgärtner Schlichting 16 Zeichnungen von Schloss Monbijou an. Friedrich I. vermacht es an seine Schwiegertochter Sophie Dorothea. Die Kronprinzessin Sophie Dorothea liebte die Künste und den höfischen Glanz, den sie in Herrenhausen gewöhnt war. Sie fand kaum Gemeinsamkeiten mit ihrem Ehemann, den späteren Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. Schnell entwickelte sich ihre Sommerresidenz Monbijou zu ihrem bevorzugten Aufenthaltsort. Hier empfing sie Gelehrte, Künstler und ihren geliebten Sohn, den Kronprinzen Friedrich, den man später den Großen nannte. Sophie Dorothea gründete inmitten eines soldatisch geprägten und kargen Preußen einen Musenhof mit einer beachtlichen Porzellansammlung.
Zum Leidwesen der Königin, empfing ihr Mann Friedrich Wilhelm I. den russischen Zaren Peter im Jahr 1717. Dieser unternahm eine Europareise, um Erkenntnisse über Kunst, Kultur und Technik in den verschiedenen Staaten zu sammeln. Zar Peter wünschte sich mit seinem Gefolge im Schloss Monbijou untergebracht zu werden. Denn er wusste, wie derb seine Landsleute waren. Zar Peter behielt Recht und so war nach dessen Abreise fast das gesamte Mobiliar in Monbijou zerstört und der Garten nebst Schloss in desolatem Zustand.
Unter dem Architekten Georg Wencelaus von Knobelsdorff begann die Erweiterung des Schlosses zwischen 1738 und 1742. Dies war durch Grundstücksankäufe nach 1726 möglich geworden. Die Erweiterung verband die vormals freistehenden Pavillons mit dem Lusthaus. Zudem erfolgte ein Anbau an den westlichen Teil des Schlosses. Dieser neue Orangerieflügel hob die Symmetrie des Schlosses auf, deshalb ließ Knobelsdorff zwischen 1740 und 1742 einen Ostflügel bauen.

Der Tod Sophie Dorotheas 1757 beendete vorerst die Nutzung des Schlosses als königliche Sommerresidenz. Friedrich der Große bezeichnete das Schloss Monbijou als unbewohnbar und veranlasste zwischen 1758 und 1760 umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen. Diese wurden im Jahr 1785 fortgesetzt, jedoch auf das Nötigste beschränkt.

Eine neue Epoche brach mit der Königin Friedericke Luise an. Sie flüchtete sich vor ihrem Mann Friedrich Wilhelm II., seinen Leidenschaften für Mätressen und vor dem gnadenlosen Hofgerede. Dem König kam dies entgegen und er ordnete 1789 eine vollständige Renovierung und Umgestaltung vieler Räume im klassizistischen Stil an. Noch im selben Jahr begannen die Bauarbeiten für die Torgebäude, wohl unter dem Architekten Georg Christian Unger, an der Ostseite des Parks. Auch an der Orangerie erfolgten Umbaumaßnahmen. Aus ihr entstand ein großer Tanzsaal. Dieser war ursprünglich mit Fresken geschmückt, die Kimpfel malte. Laut Beschreibungen war ein Wolkenhimmel mit Putten abgebildet. Von dieser Bemalung war bereits im späten 19. Jahrhundert kaum mehr etwas zu sehen.
Königin Friedericke Luise ließ die französische Gartenanlage in einen englischen Landschaftspark umgestalteten. Im Jahr 1805 starb die Königin und war damit die letzte Bewohnerin. Lediglich die Torhäuser bewohnten Verwandte und Mitglieder der königlichen Familie. So residierten hier der Herzog Carl von Mecklenburg, Prinz Albrecht und Prinz Adalbert von Preußen. Im eigentlichen Schloss fanden nur noch Kostümbälle und Theateraufführungen statt. Auch die erste Aufführung von Goethes Faust ereignete sich hier.

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