Geschichte

Das Schloss wird ein Museum

Die königliche Familie hatte kein Interesse mehr im Schloss zu wohnen. Monbijou wurde nun als Depot und für Ausstellungen genutzt. Bereits 1822 zog die Ägyptische Sammlung in den Westlichen Flügel. Darauf folgte 1837 das Museum für Vaterländische Altertümer. 1856 zog die Ägyptische Sammlung in das neue Museum. Zwei Brände in den Jahren 1857 und 1885 wüteten im Schloss.

Durch Berlins rasanten Aufstieg zur Metropole entstand 1877 die Stadtbahn. Dieser Bau hatte die Verkleinerung des Schlossparks zur Folge. Im selben Jahr gründete sich das Hohenzollern-Museum auf Initiative von Robert Dohme im Schloss. Dieses bestand aus einer neustrukturierten Sammlung aus Beständen der königlichen Kunstkammer, die 1875 ihre vollständige Auflösung erfuhr und aus der Zusammenführung von Nachlässen aus verschiedenen Residenzen in Preußen. Ein aktiver Förderer war der spätere Kaiser Friedrich III. Er war später auch Protektor der königlichen Museen in Preußen. Friedrich überließ dem Museum im Schloss Monbijou einen Großteil seiner privaten Sammlungen. Nach dessen Tod kamen seine Bibliothek und Kupferstichsammlung zum Hohenzollern-Museum dazu. 1897 entstand in der Nähe der Stadtbahn ein Tennis-Saal im Park. Ein Jahr zuvor starb Robert Dohme und Paul Seidel bekam das Amt des Direktors. Diesen Posten behielt er bis 1923. In seiner Zeit als Direktor wurden die Sammlungen neu geordnet und einige Räume restauriert oder umgestaltet. Seidel befasste sich zudem ausführlich mit höfischer Kunst in Brandenburg-Preußen vom 17. bis 19. Jahrhundert.

Nach der Abdankung des Kaisers Wilhelm II. blieb das Museum geschlossen und als „Museum Schloss Monbijou“ erst 1927 wiedereröffnet. Neuer Direktor bis 1945 war Arnold Hildebrand. Er präsentierte die gesamte Sammlung neu und verzichtete fast vollständig auf Vitrinen. In seiner Amtszeit gab es auch die beliebten Sommerkonzerte im Garten und den Sälen des Schlosses.

Mit der Machtergreifung der Nazis und den Plänen für den Umbau Berlins zur Welthauptstadt Germania kamen 1935 Pläne für einen Museumsneubau und sogar eine Umsetzung des Schlosses nach Charlottenburg auf. Der Ausbruch des Kriegs machte diese Pläne zunichte.

Schon 1940 wurden alle Fenster des Schlosses Monbijou zugemauert. Diese Vorkehrung schütze jedoch nicht vor einem Bombenangriff im Jahr 1943. Dabei brannte das Schloss aus. Das Ende von Monbijou besiegelte im Jahr 1959 der Ost-Berliner Magistrat . Dieser ordnete den Abriss der Ruinen an, begleitet von einem heftigen Protest der Westberliner und Museumsfachleuten. Bis 1962 entstand auf diesem Gelände ein Freizeitpark mit Kinderschwimmbad.

Quelle: Thomas Kemper, Das Schloss Monbijou. Von der könglichen Residenz zum Hohenzollern- Museum, Berlin, Nicolai Verlag, Dezember 2004

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