"Mein Schmuckstück" gibt es nicht mehr




Im Sommer riecht es nach Bratwürsten, Kinder planschen im Wasser und viele Großstädter suchen dichtgedrängt nach Erholung, mitten im Zentrum Berlins. Kaum einer von ihnen weiß etwas mit dem Namen „Monbijou“ anzufangen. Zwar tragen diesen Namen die benachbarte Straße, ein Platz und der Park, in dem sie sich tummeln, aber bis auf dies erinnert fast nichts mehr an das einstige Schmuckstück an der Spree. Hier stand vor vielen Jahren, umgeben von einem Schlosspark, eine preußische Residenz. In diesem Schloss nächtigte der russische Zar Peter mit seinem Gefolge und Goethes Faust wurde das erste Mal in Berlin uraufgeführt. Preußische Königinnen flüchteten vor ihren Ehemännern und zogen sich hierhin zurück. Umgeben von erlesenem Porzellan spielte Friedrich der Große, als Kind, in dieser Residenz Flöte für seine Mutter. Auch die deutschen Kaiser fanden gefallen am Schloss und förderten dessen Ausbau zu einem Dynastiemuseum, dem Hohenzollern-Museum. Nach Gründung der Weimarer Republik bekam es seine letzte neue Bezeichnung „Schlossmuseum Monbijou“. Im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen, beseitigte man die letzten Reste des Schloss Monbijou nach knapp zehn Jahren. Kurz darauf gab der Ostberliner Magistrat ein Schwimmbad in Auftrag und ließ einen neuen Park anlegen, an dem sich bis heute viele Berliner erfreuen, ohne etwas von der kleinen Residenz zu wissen, welche „Monbijou“- französisch für „mein Schmuckstück“- hieß.

Stefan Christian Hoja